Unsere Argumente

Das Weltbild-Angebot sei mit christlichen Grundsätzen nicht zu vereinen. So lautet die offizielle Begründung der Bischöfe, die Deutschlands größtes Buchhandelsunternehmen plötzlich loswerden wollen. In Wahrheit haben innerkirchliche Machtkämpfe dazu geführt, dass ein kerngesundes Unternehmen überraschend zum Verkauf angeboten wird. Preis egal – Hauptsache weg!

Die Belegschaft hat keinen Anteil an den internen Querelen der Bischöfe. Geschweige denn tragen sie Verantwortung für die Entscheidung der Geschäftsführung, das Angebot von weltbild.de um das Kontingent von Großhändlern zu erweitern. Deren Sortiment hat den angeblichen „Porno-Skandal“ ausgelöst. Aber bluten dürfen jetzt die MitarbeiterInnen von Weltbild, die das Unternehmen mit ihrer Arbeitsleistung groß gemacht haben.

Ein magerer Halbsatz für die Belegschaft

Die Bischöfe gehen in ihrem Verkaufs-Beschluss mit einem einzigen, unverbindlichen Satz auf die Ängste der ArbeitnehmerInnen ein: „Kirchliche und soziale Implikationen einer Veräußerung verdienen eine besondere Beachtung.“ Das sei eben Kirchensprache, behauptete Geschäftsführer Carel Halff, als er auf der Betriebsversammlung am 24.  November Rechenschaft vor der Belegschaft ablegte. Die Bischöfe seien „Ehrenmänner“ und der Halbsatz ein Versprechen, über dessen Einlösung die Öffentlichkeit wachen würde. Weltbild stehe schließlich ständig in der Zeitung.

In Wahrheit bestimmt weder der oberste Angestellte Halff, noch die Öffentlichkeit über das Schicksal der MitarbeiterInnen nach dem Verkauf: Der Geschäftsführer ist dann an die Weisungen der neuen Eigentümer gebunden. Und schlechte Presse hat noch keinen Investor erschreckt. Kapitalgeber wollen keine Liebe sondern Rendite.

Im Übrigen weiß niemand, ob die Zeit unseres Geschäftsführers nicht schon abgelaufen ist. Auch auf das Wort der Bischöfe, die gerade erst dem Druck katholischer Sektierer nachgegeben haben, mag sich bei Weltbild niemand mehr verlassen: Wir sind schließlich nicht im Himmel, sondern auf der Erde. Hier unten zählen klare Verträge statt weicher Worte.

Warum die Zeit drängt

Die Beschlüsse der Bischöfe zwingen Weltbild in ein schmerzhaftes Spagat: Einerseits muss die Geschäftsführung im Quartalsrhythmus über die Fortschritte beim Verkauf berichten, andererseits alle 14 Tage über die „Rekatholisierung“ des Programms Rechenschaft ablegen. Dabei stehen nicht 0,017% Erotik im Fokus, sondern auch Ratgeber und Kriminalromane, die den Bischöfen als esoterisch oder gewaltverherrlichend gelten. Esoterik fängt für die katholischen Taliban bei Yoga an: Der gläubige Katholik soll sich im  Gebet ersenken und nicht fernöstlich verrenken, meinen die Bischöfe.

Während Erotik beim Umsatz keinerlei Rolle spielt, sind Krimis und Ratgeber das Brot im Buchmarkt. Wenn Weltbild gezwungen wird, auf diese Massenware zu verzichten, brechen die Umsätze ein, und der Wert des Unternehmens sinkt im 14-Tage-Rhythmus. Das kann und wird ein gewiefter Geschäftsmann wie Carel Halff nicht zulassen.

Deshalb müssen wir davon ausgehen, dass Weltbild in der ersten Jahreshälfte 2012 verkauft sein wird. Wenn die Belange der Belegschaft bis dahin nicht geregelt sind, gehen wir schutzlos in eine ungewisse Zukunft. Wir und unsere Familien, die der katholischen Kirche angeblich so heilig sind.

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